Während Fleisch für die meisten Menschen ein selbstverständliches Produkt im Kühlregal ist, zeigte Peter Kossen, Pfarrer im Bistum Münster, die harte Realität hinter den Schlachthofmauern auf. Er schilderte Arbeitsbedingungen, die an moderne Sklaverei erinnern: sechs Tage die Woche, elf Stunden am Tag, in beengten, oft schimmelverseuchten Unterkünften. „Drei Jahre hält jemand diese Art von Arbeit durch, wenn er sehr leidensfähig ist“, so Kossen. Die Öffnung des europäischen Ostens habe die Ausbeutung noch verschärft, da ausländische Arbeitskräfte für einen Bruchteil des Lohns beschäftigt würden. „Man muss von Menschenhandel sprechen“, betonte er. Die Einführung des Arbeitsschutzkontrollgesetzes im Rückenwind von Corona sei zwar ein erster Schritt, doch die Gesellschaft schaue oft weg: „Man muss sich gar nicht so sehr bemühen, die Not dieser Menschen nicht zu sehen.“ Die Würde des Menschen ist nicht verhandelbar – doch sie wird in diesem System täglich mit Füßen getreten.
Ulrich Reichenbach, Geschäftsführer der Metzgerei Reichenbach GmbH & Co. KG in Glottertal, zeigte, dass es auch anders geht. In seinem traditionellen Handwerksbetrieb herrsche ein familiäres Arbeitsklima. „Bei uns haben die Arbeiter faire Löhne und saubere Unterkünfte“, erklärte er. Entscheidend sei die Wertschätzung: „Man muss die Mitarbeiter schätzen und wissen, was sie leisten.“ Sein Fazit: „Wenn man nicht am Handel hängt, ist das Arbeiten entspannter.“
In der Diskussion wurde deutlich, dass das Problem tief in unserer Konsumkultur verwurzelt ist. Die Frage „Was halten wir für gerecht?“ stand im Raum. Denn während Verbraucher seit Jahren gewohnt sind, dass Fleisch kaum etwas kostet, werden die wahren Kosten – menschliches Leid und Ausbeutung – externalisiert. Peter Kossen mahnte: „Wir wollen nicht Menschen helfen, sondern sie stark machen.“ Doch dazu brauche es auch politischen Willen, um Mindeststandards durchzusetzen. Denn wie er klarstellte: „Wenn Menschen ihre Rechte nicht kennen, dann gilt: wo kein Kläger, da kein Richter.“
Die Veranstaltung machte deutlich: Ein Systemwechsel ist dringend nötig – und möglich. Doch er erfordert von uns allen, die Augen nicht länger vor den realen Kosten unserer Fleischproduktion zu verschließen und die Frage zu stellen: Was ist uns unsere Ernährung wert?
Die Podiumsdiskussion ist hier veröffentlicht:
Die Veranstaltung „System Schlachthof“ wurde durchgeführt von der Katholischen Akademie in Zusammenarbeit mit der Stabsstelle Schöpfung und Umwelt der Erzdiözese Freiburg, dem Fachbereich Betriebsseelsorge in der Region Breisgau-Schwarzwald-Baar und der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung Freiburg.



