Manchmal auffällig, meistens aber völlig im Verborgenen: Viele Vogelarten und Fledermäuse haben unsere Kirchen als Lebensraum entdeckt – vor allem Kirchtürme und Dachstühle bieten ihnen Zuflucht. Zwei Experten berichteten von ihren Erlebnissen und von entstehenden Spannungsfeldern.
Fliegende Kirchenbewohner – Erlebnisse und Herausforderungen
Video-Dokumentation
Matthias Hollerbach, Nistkastenbetreuer und Artenschutzberater an Gebäuden, führte anhand eindrucksvoller Bilder in die Vielfalt und Schönheit der fliegenden Kirchenbewohner ein. Kirchtürme sind oft die höchsten Gebäude einer Siedlung, haben eine lange Nutzungstradition, werden nur zeitweise genutzt und sind deshalb attraktiv für rastende und brütende Vögel. Das zeigte sich etwa am Beispiel der Kirche in Riegel mit rund 14 Storchennestern. Turmfalken, Dohlen und Tauben nutzen die kirchlichen Gebäude ebenso wie Spatzen, Mehlschwalben und Mauersegler und viele mehr. Besonders amüsierte das Publikum die Schleiereule, die drei für Dohlen gedachte Kästen besiedelte und daraus eine Art „Dreizimmerwohnung" machte. Auch die Ausbreitung der Nilgans sowie Lehmwespen und mitunter mehrere Fledermausarten pro Kirchturm waren Thema. Hollerbach mahnte: Die Biodiversitätskrise beginnt schon in unseren Siedlungen – gerade hier liege ein großes Potenzial für Lebensräume.
Dr. Reinhold John von der Stabsstelle Schöpfung und Umwelt der Erzdiözese Freiburg widmete sich den praktischen Herausforderungen zwischen Schöpfungsbewahrung, Gebäudemanagement und Verkehrssicherungspflicht. Kirche als „Mehrfamilienhaus" und Rückzugsort zu verstehen, bedeute, den Artenschutz von Beginn an in Bau- und Umbauprojekte einzubeziehen – allzu oft würden Tiere erst spät entdeckt. Bau- und Schutzzeiten müssten in Einklang gebracht, Sanierungen als Chance begriffen und in Gesamtkonzepte integriert werden. So helfe ausfliegenden Fledermäusen und Vögeln etwa eine blühende Umgebung um die Kirche. Er zeigte jedoch auch Konfliktfelder auf: Ein Storchennest könne gut eine Tonne wiegen, was bei zahlreichen Nestern auf einem Kirchendach statisch kritisch wird; weichen Störche auf benachbarte Privathäuser aus, wird das nicht immer gerne gesehen. Solche Konflikte haben in letzter Zeit zugenommen, da es immer mehr Störche im Breisgau gibt. Auch der Klimawandel bzw. die sommerliche Hitze führen zu Verschiebungen und im August 2026 zu einer „Storcheninvasion" in St. Peter. John erläuterte auf eindrückliche Weise den Dreiklang aus Artenschutz, Naturschutz und Energiewende. Es zeigte sich: Kirche nimmt ihr Schöpfungsverantwortung durch konkretes Handeln wahr – auch wenn wie immer, noch Luft nach oben ist.
Eine moderierte Fragerunde, geleitet von Rebecca Albert, rundete den Abend ab. Die Veranstaltung fand in Kooperation mit der Musella-Stiftung für eine sozial-ökologische Zukunft statt.
Vorträge und Diskussion sind hier veröffentlicht:



